Die Anglo-Araber sind eine der erfolgreichsten und beliebtesten Zuchtpferderassen. Doch woher kommen sie, woran erkennt man sie und warum sind sie so beliebt bei Züchtern in aller Welt?

Voraussetzung
Nicht jedes Pferd, dass sowohl ein paar arabische als auch englische Vorfahren in seiner Ahnreihe hat, darf Anglo-Araber genannt werden. Ausschließlich Anglo-Araber, Arabische und Englische Vollblüter dürfen in der Ahnreihe des Pferdes zu finden sein. 25 % arabische Vorfahren in der vierten Ahnenreihe sind Pflicht für einen offiziellen Anglo-Araber, wobei neben dem Arabischen Vollblut auch der Shagya-Araber anerkannt wird. Bei Reitpferden wird auf bis zu 6 arabische Urgroßeltern wert gelegt, während die anglo-arabischen Rennpferde zum größten Teil von englischen Vollblütern abstammen. Besonders europäischen Warmblutzuchten bedienen sich gern guter Hengste der Rasse, um sie als hochqualitative Veredeler einzusetzen, da sie Schmelz und Härte vererben.

Geschichte
Die ersten arabischen Pferde gelangten durch die Kreuzzüge und die spanischen muslimischen Kalifate nach Europa, insbesondere nach Frankreich. Es ist zu vermuten, dass durch die Ankunft dieser ersten Araber in Europa auch die ersten anglo-araberesken Pferde gezüchtet wurden.
Die gezielte Zucht wurde jedoch erstmals wegen der Vorliebe Napoleons für arabische Hengste als Leibrösser forciert, der auf seiner ägyptischen Expedition die Vorzüge arabischer Pferde zu schätzen lernte und die in Ägypten erbeuteten Hengste im Gestüt Pompadour stationieren ließ.

Vom Pfälzer Herzog Christian IV. wurde etwa zur selben Zeit früh eine erfolgreiche anglo-arabische Zucht in Zweibrücken begründet. Den Durchbruch allerdings erlebte der Anglo-Araber durch Eugène Gayot, seines Zeichens Generalinspekteur über sämtliche französischen Gestüte ab 1847. Dieser war bei der Studie von pfälzischen Beutepferden zur Erkenntnis gekommen, dass der Kreuzungszucht zwischen Arabischen und Englischen Vollblütern einige Vorteile abzugewinnen sind, und förderte die mittlerweile berühmte französische Anglo-Araber-Zucht im großen Maßstab. Bereits damals wurde die Verschmelzung der Vorzüge beider Rassen zur Schaffung eines edlen und temporeichen Sportpferdes gewünscht.

Merkmale
Mit dem Ziel, die Vorzüge beider Ausgangsrassen zu vereinen, wird der Anglo-Araber als edles Sportpferd gezüchtet.
Markant sind die schrägen und langen Schulter, auf denen ein schön geformter Hals ruht. Außerdem ist der deutlich abgesetzte Widerrist, der in einen kräftigen und kurzen Rücken übergeht, auffällig. Wichtig ist ein schmaler und tiefer Rumpf, genauso wie eine gut gewinkelte, bemuskelte Hinterhand. Die leicht abfallende Kruppe geht in einen getragenen Schweif über. Der Anglo-Araber verfügt über klare Gelenke, ein trockenes Fundament und kleine, harte Hufe.
Der Anglo-Araber hat manchmal kleine Stellungsfehler, da er auf Leistung gezüchtet wird. Da die Gänge sind jedoch meist flach und raumgreifend und das Galoppier- und Springvermögen ausgeprägt sind, wird dieser kleine Makel kompensiert.

Charaktereigenschaften
Der Anglo-Araber ist ein vielseitiges Reitpferd. Er ist widerstandsfähig, hart im Nehmen und zeichnet sich in allen Disziplinen durch viel Engagement und eine hohe Leistungsbereitschaft aus. Daraus ergibt sich eine eindeutige Prädestination für das Vielseitigkeitsreiten. Er kombiniert die Qualitäten des Arabers wie Gesundheit und Leistungsbereitschaft mit denen des englischen Vollblüters, vor allem Schnelligkeit und Rahmen, natürlich ohne das manchmal überschäumende Temperament. Daraus erbgit sich eine Überlegenheit im Wettkampf, sowohl gegenüber einem Araber, als auch gegenüber einem englischen Vollblüter. Bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften hat er schon vielen Reitern zu Medaillen verholfen, in Deutschland ist zum Beispiel das bekannte Springreitpferd Ramzes x zu nennen, das außerdem viele preisgekrönte Nachfahrenin der deutschen Warmblutzucht hat. Für Interessierte finden jedes Jahr finden zur Evaluation der Leistung der Zuchtpferde regelmäßig Treffen statt, bei denen Galopprennen veranstaltet werden.

Geographische Verteilung
Hauptsächlich findet man den Anglo-Araber natürlich in Frankreich, dem Land, in dem die Zucht begonnen wurde. Hier sind vor allem die Distrikte Loire, Bordeaux und natürlich Versailles zu nennen. Aber auch ehemalige Kolonien der Franzosen wie Tunesien beherbigen eine große Anzahl guter Anglo-Araber.
Daneben hat sich in England eine eigenständige Zucht entwickelt. Die Pferde dieser Zucht sind sowohl im britischen Mutterland als auch in Ländern des Commonwealth wie Ägypten oder Botswana zu finden.
Daneben sind in der Toskana und auf Sardinien einige gute Bestände an Anglo-Arabern zu finden, genau so wie in den polnischen Masuren. Ableger der polnischen Zucht haben sich während der sowjetischen Herrschaft auch in anderen osteuropäischen Ländern wie etwa in Kroatien etabliert.

Die Besonderheit des anglo-arabischen Vollbluts
Im Gegensatz zum gemeinen Anglo-Araber zeichnet sich der anglo-arabische Vollblüter durch eine Nachkommenschaft ausschließlich aus englischen und arabischen Vollblütern aus. Gerade der oftmals in den Ahnreihen der meisten Anglo-Arabern vorhandene Shagya-Araber ist für die äußerst wertvollen anglo-arabischen Vollblüter nicht zulässig. Da der Shagya-Araber jedoch sehr viel öfter in die Linien des Anglo-Arabers gekreuzt wurde, sind reine anglo-arabische Vollblüter sehr selten, da sie jedoch die Eigenschaften des Arabers ausgeprägter beinhalten, beliebter als gemeine Anglo-Araber.

Ist der Anglo-Araber für mich geeignet?
Anglo-Araber sind sehr trittsicher. Ihr äußerst gelassenes Temperament, ihr Stockmaß von 135-150 cm und die Fähigkeit, (fast) jedes Gewicht tragen zu können, begründen, dass sie ideal insbesondere auch für unsichere erwachsene Reiter und Reitanfänger sind, was den Anglo-Araber zum perfekten Tier für Hobbyreiter macht. Aber auch für den fortgeschrittenen Reiter und Profisportler ist der Anglo-Araber eine gute Wahl, da er konstante Leistungen bei einer vergleichsweise geringen Verletzungswahrscheinlichkeit bringt. Für Höchstleistungsreitsport sei freilich der englische Vollblüter empfohlen, da er ein höheres Leistungsmaximum erreichen kann, jedoch muss man mit dem Temperament des Tieres klarkommen können.

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